Marzahn-Hellersdorf – viel mehr als Platte

Die Hönower Weiherkette

 

1. Die Hönower Weiherkette

Start: Tangermünder Straße
Verkehrsverbindungen: M 6, TRAM 18, Bus 154
Ziel: Gohliser Straße
Verkehrsverbindungen: U 5 bis U-Bahnhof Louis-Lewin-Straße oder Hönow, Bus 154, 195
Tourencharakter: leichter Spaziergang auf barrierefreien Wegen, die sowohl für Rollstuhlfahrer als auch für Kinderwagen geeignet sind
Zeit: 2 bis 3 Stunden

Für unseren Spaziergang haben wir bewusst den bequemen, gut ausgebauten barrierefreien Weg mit barrierefreien Zugängen gewählt, um auch behinderten Naturfreunden und Müttern mit Kinderwagen Möglichkeiten aufzuzeigen, für sich diese interessante Naturlandschaft zu erschließen. Neben diesem ausgebauten Spazierweg ist das Gebiet der Hönower Weiherkette von einigen Naturpfaden durchzogen, deren wichtigste in dem Plan (Anlage 1) zu finden sind.

Auf eine exakte Wegbeschreibung ist bewusst verzichtet worden, um dem Spaziergänger die Möglichkeit zu geben, selbst die eine oder andere im Text beschriebene Naturschönheit zu entdecken. Entlang der Wege finden wir auch hin und wieder Bänke zum Ausruhen und um die Landschaft zu genießen. Wir wollen hier nur eine kurze Beschreibung dieses interessanten Gebietes geben.

Die Hönower Weiherkette ist eine abwechslungsreiche Naturlandschaft mit Pfuhlen, Röhrichten, Gebüschen, Waldflächen und Wiesen am Rande der Stadt.
Das Gebiet ist Bestandteil der Südostniederbarnimer Weiherkette. Am Ende der letzten Eiszeit bildete sich am Südrand der Barnimplatte durch das abschmelzende Wasser eine Erosionsrinne, in der zahlreiche Toteisreste eingeschlossen waren. Mit steigenden Temperaturen schmolz das Toteis, und es blieben Weiher, Sölle und kleine Seen zurück, die häufig durch kleine Fließe verbunden sind. das Mummelsoll im Winter mit der für ein Toteisloch typischen Form

Mit der Hönower Weiherkette ist von diesem einmaligen Landschaftsraum noch ein größerer zusammenhängender Bereich erhalten. Auf einem 400.000 m2 großen Gebiet sind 12 Pfuhle vorhanden, die über den Haussee in Hönow und die Gewässer in Richtung Mehrow nach Norden hin Anschluss an die freie Landschaft haben. Auf historischen Karten ist das Gebiet als „Die kühlen Gründe“ bezeichnet, ein Hinweis auf die erhöhte Luftfeuchte und die relativ niedrigen Temperaturen.

1.1 Wie ein kreisrunder Krater – das Mummelsoll im Winter mit der für ein Toteisloch typischen Form

Bei den gesundheitlichen Beschwerden, die durch das trockenwarme Stadtklima hervorgerufen werden, gewinnt ein solches Frischluftentstehungsgebiet mit ausgleichender, abkühlender Wirkung heute mehr denn je an Bedeutung.

Der Krautpfuhl, hier im Mai 2001 noch mit offener Wasserfläche

1.2 Der Krautpfuhl, hier im Mai 2001 noch mit offener Wasserfläche; bis zum Sommer hin verlandet er immer mehr

Blühende Wasser-Schwertlilie am OberseeRöhrichte und Verlandungsbereiche stehender Gewässer sind gesetzlich geschützt; sie dürfen nicht zerstört oder beeinträchtigt werden. Ihre Funktionen für den Naturhaushalt sind vielfältig: unter anderem wird im dicht gewachsenen Schilfröhricht der Wind aufgehalten und er bietet außerdem vielen Insekten einen Rückzugs- und Schutzbereich. Einige Arten finden in den stabilen Halmen ihr Winterquartier. Der Sauerstofftransport über den Halm zur Wurzel bewirkt, dass der Gewässerboden belüftet und mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt wird.
Verlandungsbereiche als Übergänge zwischen Land und Wasser sind ganz besonders artenreiche Lebensräume und für viele Tiere die „Kinderstube“. Dieses Areal ist auch ein Zuhause für Moor- und Teichfrösche und für die anderenorts seltene Knoblauchkröte; auch Teichmolche und die größeren und auch selteneren Kammmolche sind hier mit etwas Glück zu entdecken. Sogar die vom Aussterben bedrohte Rotbauchunke hat hier ein Zuhause.

1.3 Blühende Wasser-Schwertlilie am Obersee

Der besondere Reiz ist, dass verschiedene Entwicklungsstufen von natürlichen Stillgewässern unmittelbar nebeneinander liegen.
Flachgewässer mit starkem Pflanzenbewuchs wie der Kraut- und der Froschpfuhl trocknen im Sommer zwar nahezu aus, im Frühjahr jedoch, wenn sie noch Wasser führen, sind sie als Laichplätze bei den Amphibien sehr beliebt, da sich der Nachwuchs in dem Unterwasser-Pflanzenrasen gut verstecken kann. Dem Krautpfuhl und auch anderen Pfuhlen wird sowohl von der Straßenentwässerung als auch von den Dächern nahe gelegener Gebäude nährstoffreiches Wasser zugeführt. Dies führt dazu, dass z. B. der Krautpfuhl stark zum Verlanden neigt. Im Juli 2001 war er bereits ausgetrocknet.
Offene Wasserflächen findet man im Untersee, dichte Röhrichtbestände existieren am Obersee und im Weihenpfuhl; hier können Vögel wie Rohrammer und Teichrohrsänger, wenn sie nicht gestört werden, ihre Jungen aufziehen. Diese Stellen werden auch gern von Stockenten, Blässrallen und Zwergtauchern aufgesucht. Am Weidenpfuhl sorgen Bäume und Gebüsche für eine starke Uferbeschattung.
All diese unterschiedlichen ökologischen Nischen werden gern genutzt; es ist für jeden etwas dabei. Neben Stockenten und Blässrallen, die hier ihr Brutgebiet haben, gehen ab und zu auch Graureiher und Schwäne in den offenen Gewässern auf Nahrungssuche.

In der Hönower Weiherkette finden sich am und im Wasser Pflanzenarten wie Breitblättriger Rohrkolben, Schilf, Ästiger Igelkolben, Wasser-Schwertlilie, Scheinzyper-Segge, Gift-Hahnenfuß, Nickender Zweizahn, Gemeiner Froschlöffel, Wasserfenchel, Schwanenblume und Wasser-Knöterich. Umgeben wird die amphibische Welt von Wiesen, Gebüschen, einem Hohlweg begleitet von alten Obstbäumen, Brachflächen und Trockenrasen. Diese Habitatvielfalt und das Nebeneinander unterschiedlicher Lebensräume macht das Gebiet ökologisch so interessant.
Viele Pfuhle leiden unter dem absinkenden Wasserstand. Bereits 1986, als die Großsiedlung gebaut wurde, setzten sich die Naturschützer hartnäckig für den Erhalt dieses wertvollen Gebietes ein. Heute ist das Ökosystem durch eine geplante Verbreiterung der Landsberger Chaussee/Berliner Straße gefährdet.

Der Untersee gehört aufgrund seiner artenreichen Vegetation zu den wertvollsten Biotopen

1.4 Der Untersee gehört aufgrund seiner artenreichen Vegetation zu den wertvollsten Biotopen

Die unmittelbare Nachbarschaft zur Großsiedlung macht das Gebiet zu einem beliebten Naherholungsziel. Manche Freizeitaktivitäten sind allerdings für die Natur eine Belastung: das Erforschen von entlegenen Winkeln stellt für besonders scheue Tiere eine Störung dar, erschwert die Brutpflege und vertreibt dadurch empfindliche und seltene Arten. Auch das Angeln, was verbotenerweise an den offenen Gewässern stattfindet, stört diese empfindliche Landschaft und beunruhigt die Tiere. Ebenso vertreiben freilaufende Hunde seltene Tierarten; sie geben zumindest ihr Brutgeschäft durch die Störungen in diesem Gebiet auf.

Um die Hönower Weiherkette in ihrer Vielfalt zu erhalten, werden regelmäßig Pflegemaßnahmen durchgeführt. Standortfremde Gehölze wie Eschen-Ahorn, Pappeln und Fichten werden entfernt, da sie sich nicht als Lebensraum und Nahrungsangebot für die heimische Tierwelt eignen. Unsere Tierwelt benötigt artenreiche Mischwälder mit heimischen Baumarten und ausgeprägter Kraut- und Strauchschicht. In den Hochstaudenfluren fühlen sich u. a. Feldschwirl und Stieglitz wohl.
Die schrittweise Umwandlung dieses Gebietes in einen ökologisch sinnvollen Mischwald, auch mit Waldrändern und einer Buschlandschaft ausgestattet, besonders Weißdorn, Rosen u. a. dornige Sträuchern bieten z. B. dem Neuntöter und dem Pirol gute Nist- und Nahrungsmöglichkeiten. In einigen Gebieten mit Heckenstrukturen finden wir sogar die Goldammer. Östlich der Louis-Lewin-Straße, rechts und links des Hohlweges, ist in den vergangenen Jahren begonnen worden, eine Streuobstwiese mit hochstämmigen Obstbaumarten anzulegen.
An ausgewählten trockenen Standorten wird eine zweimalige Mahd im Jahr angestrebt, um diese wertvollen Wiesenflächen offen zu halten. Solche Flächen haben sich bisher positiv entwickelt und dienen einigen Vogelarten als Brut- und/oder Nahrungsgebiet (Stieglitz, Steinschmätzer, Haubenlerche). Der Artenreichtum hat zugenommen. Es haben sich bunt blühende Wiesenbestände entwickelt.
Der Weidenpfuhl im Südosten der Hönower WeiherketteHinweisen möchten wir noch auf die Stein-Weichsel. Eine Unterschutzstellung dieses imposanten Baumes ist beabsichtigt. Sie ist leider nur über den nichtbarrierefreien Weg zur Böhlener Straße hin zu erreichen.

Zur Pflege dieser Landschaft gehört auch immer noch das leidige Müllsammeln – zu hoffen bleibt, dass Besucher und Anwohner von sich aus begreifen, wie viel Schaden in der Umwelt durch das achtlose Wegwerfen von Unrat angerichtet wird und sich die Müllsammelaktionen von freiwilligen Helfern im Naturschutz aufgrund eines intelligenten Mitbürgerverhaltens erübrigt.

1.5 Der Weidenpfuhl im Südosten der Hönower Weiherkette

Anlage 1:  Plan Hönower Weiherkette

Plan Hönower Weiherkette Plan Hönower Weiherkette (vergrößerte Darstellung)
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