Von Punkrock bis Puppenklinik

 

Das außergewöhnliche Ökozentrum in Wolimierz

 

“Bitte keine Zigarettenstummel auf den Boden werfen, Bierkorken sammeln und abgeben”, erinnert ein Rockmusiker vor dem Auftritt die zahlreich versammelten Konzertbesucher per Lautsprecher an die Grundsätze eines Ökofestes. Das war Ende August 2019 zu Beginn des jährlich stattfindenen ECO PUNK FESTIVAL, ein ökologisch ausgerichtetes Punk Rockevent im polnischen Wolimierz, bei dem die Avantgarde des polnischen Punkrocks ihren Auftritt hat. Viele der Musiker waren schon vor der Wende von 1989 aktiv und gehörten seinerzeit zur politischen Opposition.

Wer eine ganze Tüte Bierkorken abgibt, erhält zur Belohnung eine CD. Überall befinden sich blaue Säcke sowie Aschenbecher mit Sand gefüllt. Zudem gibt es jede Menge Hinweise zur Müllvermeidung. Der Glaspfand für ein Bier ist doppelt so hoch wie das Getränk. So ist garantiert, dass die leeren Gläser auch wieder den Weg zum Tresen zurückfinden. Und wer der Umwelt etwas besonders Gutes tun will, der bevorzugt ohnehin Kompostklos, verweist ein Hinweisschild in englischer Sprache.

Die Organisatoren des Festivals legten von Anfang an besonderes Augenmerk auf den Umweltschutz. Um die Sauberkeit während der Veranstaltung zu gewährleisten, werden in diesem Jahr sogar persönliche Aschenbecher verteilt. Es wird empfohlen, während der Veranstaltung keine Einwegflaschen zu kaufen. „Ökologie ist die größte Herausforderung unserer Zeit“, sagt Festival-Mitorganisator Teo.

Das ECO PUNK FESTIVAL ist aber nur eine von vielen Veranstaltungen und Festivals, die dort auf der Stacja Wolimierz (Station Wolimierz) am Dreiländereck Polen, Tschechien, Deutschland auf polnischer Seite im Herzen des Isergebirges stattfindet und viele Besucher anzieht. Seit nunmehr 28 Jahren gibt es das alternative Zentrum. Früher befand sich dort eine Bahnstation. Heute fahren zwar keine Züge mehr, aber es wird jede Menge Kultur geboten.

 

Kulturen aus aller Welt

 

Mittlerweile kann die Station Wolimierz auf eine lange Tradition zurückblicken. Von Anfang an gab es Initiativen zur Förderung von Ökologie und alternativem Lebensstil wie überall in Europa und der Welt. Da war anfangs schon das dreiwöchige ECOTOPII Festival. Damals kamen vierhundert Menschen aus aller Welt zusammen. Sie sammelten unter anderem den Müll vom nahegelegenen Fluss und kauften die meisten Produkte von lokalen Bauern. “Arbeit, Arbeit, Arbeit - und dabei viel Lachen, Musik und Theater machen”, heißt das Motto.

Außerdem gibt es dort kleine Produktionsstätten, eine Kneipe, eine Puppenklinik und Unterkünfte im Rahmen des Agratourismus. Es werden auch Kleidung und andere Dinge hergestellt. Zudem befinden sich auf dem Gelände eine Galerie und ein Theater, die als Treffpunkt für Künstler und Kunstinteressierte dienen. “Hier treffen sich Kulturen und Subkulturen aus allen Teilen der Welt”, wird betont. Geboten werden das Jahr über auch viele Workshops zu unterschiedlichen Themenbereichen wie beispielsweise Yoga.

Ebenso wird auf eine intensive Zusammenarbeit mit dem Service Civil International (SCI) verwiesen. SCI ist eine internationale NGO, die Hilfs- und Friedensdienste auf freiwilliger Basis organisiert und unter anderem nationale und internationale Workshops und längerfristige Freiwilligendienste anbietet. In dem Zusammenhang kamen Aktivisten aus Spanien, Italien, Deutschland, Mexiko, Finnland und Rumänien nach Wolimierz.

Das Projekt gewann einst den Wettbewerb der Batory Foundation für das “beste Projekt für ländliche Gemeinschaften”. Kommt man auf das Gelände, fällt einem der unter der Leitung des Glaskünstlers Maciek Wokan entstandene außergewöhnliche Spielplatz aus Holzstrukturen mit Türmen und Schaukeln auf. Da der Spielplatz jedes Jahr sein Gesicht und seine Form verändert, “hat er sich mitterlweile zu einem wahrhaft avantgardistischen und lebendigen Kunstwerk entwickelt”. So hat er in letzter Zeit sogar die Form eines Piratenschiffs angenommen.

Die Station Wolimierz, ebenso die nahe gelegenen Dörfer, sind bekannt als Orte ekologischen Tourismus und bieten dafür eine ausgezeichnete Infrastruktur.

 

Volker Voss

 

Stacja Wolimierz

59-820 Pobiedna

Ulica Dworcowa 73
Polen

www.stacjawolimierz.pl

Pol'and'Rock Festival mit neuem Müllvermeidungskonzept

 

Auch dieses Jahr kamen Anfang August wieder mehrere Hunderttausend Rockfans zum dreitägigen Pol'and'Rock Festival ins polnische Kostrzyn (Küstrin) nahe der deutschen Grenze. Während eine Berliner Tageszeitung das jährlich stattfindene Event im nachhinein als “ganz normalen Wahnsinn” bezeichnete, waren es für die Festivalbesucher drei ausgelassene Tage mit vielen Auftritten polnischer und internationaler Pop-, Rock- Punk und Metal-Bands. In diesen drei Tagen entwickelte sich die 18 Tausend Einwohner Gemeinde zu einem riesigen Kulturspektakel.

 

Während das Festival in früheren Jahren, im wahrsten Sinne des Wortes, stellenweise eher den Eindruck einer riesigen Müllhalde hinterließ, haben die Veranstalter ein neues Müllvermeidungskonzept entwickelt. “Wir arbeiten hart daran, das Festival zu einer umweltfreundlicheren Veranstaltung zu machen. Wir haben neue umweltfreundliche Lösungen eingeführt, um sicherzustellen, dass wir so wenig Spuren wie möglich hinterlassen”, so die positive Bilanz der Veranstalter. Schließlich sahen sie allen Grund, um sich im Nachhinein auf ihrer Website für die aktive Teilnahme der Besucher an der Öko-Initiative zu bedanken. Denn die Festivalbesucher haben am Ende der Veranstaltung ihre Zeltplätze gereinigt und alles recycelt, freuen sich Veranstalter.

 

Müllsäcke an die Festivalbesucher

 

Was war Gegenstand der neuen Öko-Initiative? Die Festivalbesucher haben jeweils mehrere Müllsäcke erhalten, um ihre Campingplätze sauber und ordentlich zu halten. Insgesamt gab es 157 ausgewiesene Müllhalden. Zum ersten Mal waren Einweg-Plastiktragetaschen in der Einkaufsgasse verboten. Die Anbieter von Lebensmitteln verzichteten auf Plastikbesteck und Verpackungen. Stattdessen gab es biologisch abbaubare Behälter. Auch die Festivalpartner und die Gemeinde Kostrzyn haben sich aktiv an dem Öko-System beteiligt. So wurden beispielsweise von der polnischen Großbrauerei, die die Festivalbesucher mit Gerstensaft versorgte, Workshops und Öko-Wettbewerbe durchgeführt, die Getränke nur in Bechern aus recycelten Materialien bzw. in Mehrwegbechern ausgegeben.

 

Eine große polnische Internetauktionsplattform bot den Besuchern in einen lehrreichen Labyrinth mit Wasserfontänen die Möglichkeit zum Auffüllen von Wasserflaschen. Die Festivalbesucher wurden zudem darüber informiert, dass das Wasser aus den installierten Armaturen trinkbar ist, was wiederum das Benutzen von Kunststoff-Wasserflaschen überflüssig macht. Für Fahrräder wurden sichere Abstellplätze zur Verfügung gestellt, wo auch kleine Reparaturen und Wartungsarbeiten durchgeführt werden konnten. Zudem präsentierten sich viel NGOs.

 

Teil der globalen Umweltbewegung

 

Das jährlich stattfindende Event mit Besuchern aus vielen Ländern auf einem ehemaligen Truppenüberungspaltz unweit der Stadt Kostrzyn läuft unter dem Motto „Liebe, Freundschaft und Musik“. Bis 2017 hieß das Spektakel „Przystanek Woodstock“ (deutsch: Haltestelle Woodstock), wurde ab letzten Jahr aus urheberrechtlichen Gründen aber in Pol'and'Rock Festival umbenannt.

 

Die Veranstalter sehen ihre Öko-Aktivitäten als Teil der globalen Umweltbewegung: “Wir sind uns bewusst, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, aber wir wissen, dass der Wandel bereits begonnen hat. Es ist unsere Aufgabe, alles zu tun, was wir können, um die Verschmutzung der Erde zu stoppen.”

 

Volker Voss

 

Wandern nach Müllers Lust

 

Und sich vom schnelllebigen Leben ablenken lassen

“Das Wandern ist des Müllers Lust”, lautete einst eine Zeile des deutschen Dichters Wilhelm Müller, das er 1821 unter dem Titel Wanderschaft als Teil der Gedichtsammlung Die schöne Müllerin veröffentlichte. Nach wie vor ist die Lust am Wandern ungebrochen. Wandern erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Der Deutsche Wanderverband, “eine starke Lobby für Wandern, Kultur und Naturschutz” präsentierte sich dieses Jahr wieder auf der ITB Berlin und bot seine umfangreichen Programme an.

Vorgestellt wurde das 180 Seiten starke Jahresmagazin “Wanderbares Deutschland” für 2019 mit dem Schwerpunkt ´Regionale Schätze: Wandern.Entdecken.Genießen` “Denn nicht nur die Naturlandschaften sind hierzulande besonders reizvoll. Oft verleihen altes Handwerk, Traditionen, Brauchtum und Kultur den Wanderregionen ein markantes Profil, das den Ballungszentren inzwischen fehlt”, preist Lutz Bormann, Chefredakteur des Jahresmagazins das Wandern.

“Sich von der Natur und vom schnelllebigen Leben ablenken zu lassen”, empfielt Prof. Heinz-Dieter Quack, Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Institut für Tourismus- und Regionalforschung in Salzgitter. “Als Wanderer wissen wir, wie wichtig ein intaktes Ökosystem auch für uns Menschen ist, verweist Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Deutschen Wanderverbandes.

Aktuelle Radreiseanalyse 2019

Immer mehr Deutsche sind mit dem Rad unterwegs

Laut dem Internetportal “Holland Fahrradland” (www.hollandfahrradland.de/radfahren-in-holland) wird nirgendwo sonst auf der Welt so viel Fahrrad gefahren wie in den Niederlanden. Es soll in dem Nachbarland sogar mehr Fahrräder als Menschen geben, berichtet das Internetportal. Ob Deutschland mit den Holländern in Sachen Radeln tatsächlich mithalten kann, ist nicht sicher, wird jedoch vom ADFC behauptet. Immerhin können sich die aktuellen Zahlen zum Radeln in Deutschland in absoluten Zahlen durchaus sehen lassen.

 width=Kritischer Agrarbericht 2019 vorgestellt


Der diesjährige Kritische Agrarbericht, vorgestellt zum Auftakt der Grünen Woche Berlin,
herausgegeben vom AgrarBündnis e.V., versteht sich als "Buch der Bewegung" mit fundierter Kritik am derzeitigen Agrarsystem, aber auch guten Konzepten und Ideen wie es anders gehen könnte. Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe: Landwirtschaft für Europa. Im Jahr der Europawahl und der anstehenden EU-Agrarreform gibt es Vorschläge, wie diese nachhaltig umgesetzt werden kann, und zwar mit einer Vision von einer „Landwirtschaft für Europa“, die insbesondere auch den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen entspricht. Themen sind unter anderem auch: Die Macht der Agrarkonzerne, der Ökologische Landbau, die Bodenmarktpolitik, die Digitalisierung oder der neuen Düngeverordnung.

                                                                               Agrarwirtschaft in Finnland

Wo die Sonne nicht untergeht


Der Anteil an Bio-Produkten liegt in dem nördlichsten Ackerland der Welt lediglich bei 2,3 Prozent. Doch die Voraussetzungen für eine weitere Ausweitung sind gut, denn es ist das grünste Land in der Welt. 75 Prozent der Fläche des Landes bestehen aus Wald. Gerade was die Wälder anbetrifft: Aufgrund des finnischen “Jedermannsrecht” sind sie für alle Menschen, egal ob Einheimische oder Touristen, frei zugänglich zum Wandern oder zum Sammeln von Beeren und Pilzen. Und da die finnische Natur unter anderem voll mit Blaubeeren, Moltebeeren, Sanddornbeeren und vielen Sorten von Pilzen ist, wird sie von den Einheimischen als “Superfood-Paradies” oder auch als “Apotheke für Arme” bezeichnet.

Unser tägliches Brot und Brötchen

Nur außen kernig und knusprig?

Es ist oft schwer, wie die neuen Brote und Brötchen mit ihren vielen Fantasienamen zu bewerten sind. Es werden Gebäcksorten mit so fantastisch klingenden Namen wie Kornkraft, Kornvital, Vollwertbrot, Fitmacherbrot, Sportlerbrot oder Fitnessbrot angeboten. Vor allem handelt es sich dabei meist um nicht geschützte Fantasienamen. So ist die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) der Sache auf den Grund gegangen und hat dazu eine repräsentative Verbraucherumfrage durchgeführt. Aus der Erhebung geht hervor, welche Erwartungen die Konsumenten haben.

Die vzbv stellte die Ergenbnisse der repräsdentativen Befragung Bessere Kennzeichnung von Brot und Brötchen auf der diesjährigen Grünen Woche vor. Fast jeder kauft regelmäßig Brot und gibt dafür viel Geld aus. Immerhin 13 Prozent der persönlichen Gesamtlebensmittelausgaben gehen monatlich für das kernige Gebäck drauf, wurde festgestellt. “Aber ist es auch das Geld wert?”, fragt Klaus Müller, Vorstand des vzbv bei der Präsentation in die Runde. Die Mehrzahl der Befragten hält ein Brot für gesund, wenn sich der Name gesund anhört - ohne tatsächlich die Zutaten zu kennen. Es gibt klare gesetzliche Vorschriften dazu, wie hoch beispielsweise der Anteil des Ballaststoffgehalts sein muss.

Zwischen Lob und Kritik

Lebensmittel- und Energieproduktion in der Ukraine

In Sachen biologische Lebensmittelerzeugung tut sich die Ukraine noch schwer. Auf weniger als einem Prozent der Anbaufläche des Landes werde Bio angepflanzt, wurde kürzlich auf dem 3. Deutsch-Ukrainischen Business Forum in Berlin berichtet. Insgesamt arbeiten 14 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Die Beschreibungen der Handelsbeziehungen zwischen der Ukraine und der EU bewegen sich irgendwo zwischen Lob und Kritik. “Es ist zwar die beste Ukraine aller Zeiten”, sagte Andreas Lier, Präsident der Deutsch-Ukrainische Industrie- und Handelskammer in einem Interview mit der Kyiv Post anlässlich der Tagung. Aber es sei noch ein langer Weg zu gehen, fügte er kritsch hinzu.